Globale Energiewende Jetzt!

Tschechien plant vier neue AKW-Reaktoren zu errichten. In Zukunft sollen 50% des tschechischen Energiebedarfs durch Atomkraft gedeckt werden.

Dabei ist Atomkraft weder sicher, noch sauber noch zukunftsfähig.
Deshalb: Abschalten, statt einschalten – Her mit der globalen Energiewende!11350699_858107784261908_893109517087476172_n

Sind 100 Prozent saubere Energie machbar?

von Thomas Mördinger

Die Diskussion ist nach Deutschlands beschlossenem Atomausstieg gerade in vollem Gange: Können wir unsere Gesellschaft zu 100 Prozent aus alternativen und sauberen Energiequellen versorgen? Strom, Wärme und Fortbewegung komplett ohne Treibhausgase und Atommüll? Die Antwort ist einfach: Ja, es ist machbar, ohne wenn und aber. Und ja, es wird eine Menge Geld dafür brauchen. Aber es wird uns noch mehr kosten, wenn wir es nicht tun.

Effizienz senkt den Verbrauch.

Schon 2010 bezog Österreich 30 Prozent seiner gesamten Energie aus erneuerbaren Quellen, bei der Elektrizität waren es sogar 45 Prozent des Verbrauchs. Weltweit wurden immerhin 16 Prozent des Energieverbrauchs nachhaltig produziert. Laut des WWF-Energiereports könnten wir bereits 2050 weltweit bei 100 Prozent liegen. Alleine 15 Prozent des heutigen Verbrauchs können wir durch Effizienzsteigerungen einsparen, obwohl die Weltbevölkerung bis dahin auf neun Milliarden Menschen ansteigen wird. Große Potentiale bergen dabei Niedrigenergie-Häuser, die große Mengen an Heiz- und Kühlenergie ersparen, und der Verkehr. Hier kann man nicht nur öffentliche Verkehrsmittel verstärkt fördern, sondern auch von der gerade eintretenden Marktreife der Elektromobilität profitieren. Denn Verbrennungsmotoren vergeuden rund zwei Drittel des benötigten Benzins oder Diesels als Wärme, Elektroautos können dagegen den Strom fast vollständig in Bewegung umsetzen. Auch Wirtschaft und Industrie haben großes Interesse am Energiesparen. Die laufend steigenden Preise belasten die Unternehmen und erschweren die Kostenplanung für die zukünftigen Jahre.

Energie aus alternativen Quellen.

Wir können Alternativenergie auf vielfältige Art und Weise gewinnen. Je nach Region eignen sich dafür verschiedene Methoden unterschiedlich gut: Biomasse in waldreichen Gegenden, Wasserkraft an Flüssen, Solaranlagen in sonnenreichen Ländern, Meeresströmungs-, Wellen- und Gezeitenkraftwerke an den Küsten und Windräder an Land wie auf See. Auch Erdwärme kann an geeigneten Orten – wie etwa in Island – einen wichtigen Beitrag leisten. Saubere Energie in ausreichender Menge herzustellen ist heute weniger herausfordernd als diese jederzeit verfügbar zu machen. Wind und Sonne sind einerseits nicht immer und überall verfügbar, andererseits produzieren sie häufig wesentlich mehr Strom als gerade erforderlich. Es ist daher notwendig, als Ausgleich intelligente Elektrizitätsnetze (Smart Grids) zu schaffen, welche die Energie optimal verteilen. Zusätzlich muss überschüssige Energie gespeichert werden, um sie später wieder abrufen zu können. Eine bereits vorhandene Möglichkeit dafür sind Pumpspeicherkraftwerke. Sie verwenden nicht benötigten Strom dazu, Wasser in ihre Speicherbecken hinaufzupumpen, das dann später die Turbinen antreibt, wenn der Bedarf dafür gegeben ist. Vor allem in Skandinavien, aber auch bei uns in Österreich, stehen bereits heute genügend solcher Anlagen, um als Ausgleich für die Netzschwankungen in Europa zu dienen. Ein anderer Weg ist die Speicherung von Sonnen- und Windenergie in Wasserstoff. Diesen kann man mit Hilfe von Brennstoffzellen entweder wieder in das Stromnetz einspeisen, oder als saubere Energiequelle für Heizkraftwerke und Autos verwenden.

Elektromobilität.

100 Prozent saubere Energie stellen den Individualverkehr vor große Aufgaben. Derzeit beziehen unsere Autoflotten ihren Treibstoff fast völlig aus Erdöl. Auch der gerne als „grüne“ Alternative gehandelte Erdgasantrieb verbrennt einen fossilen Kraftstoff und kommt daher langfristig nicht als Ersatz in Frage. Die Zukunft liegt vielmehr in Fahrzeugen mit Elektroantrieb, bei denen der Strom durch Alternativkraftwerke sauber gewonnen wird. Zudem sind elektrische Antriebssysteme wesentlich effizienter als herkömmliche Benzin- oder Dieselmotoren und kommen daher mit deutlich weniger Energie aus. Vor allem Hersteller aus Frankreich, Japan und China setzen auf den Elektroantrieb, dessen Akku an der Steckdose geladen oder komplett ausgetauscht wird. Diese Wagen sind bereits auf dem Markt und als Stadtwagen problemlos einsetzbar. Die derzeit noch geringen Reichweiten werden durch Effizienzsteigerungen bei den Akkus und durch Leichtbauweise wohl schon bald deutlich steigen. Das Reichweitenproblem haben Fahrzeuge bereits gelöst, die mit Brennstoffzellen Wasserstoff in Elektrizität umwandeln. Hier sind bereits mehr als 800 Kilometer ohne nachzutanken möglich, allerdings erfordert Wasserstoff wesentlich höhere Investitionen in ein neues Tankstellennetz. Trotzdem sollen Modelle deutscher, japanischer und amerikanischer Hersteller schon in den nächsten Jahren in Serie gehen.

Was wird die Energiewende kosten?

Saubere Energie ist teuer – Dieser Mythos stimmt so schon lange nicht mehr. Strom aus Wasser- und Windkraft ist bereits heute konkurrenzfähig, und auch die anderen Alternativtechnologien werden laufend günstiger. Die Preise fossiler Energieträger steigen hingegen seit Jahren nahezu unaufhörlich und reißen immer größere Löcher in die Börsen der Haushalte. Atomkraft schließlich ist nicht nur unsicher, sie ist in Wahrheit auch teuer. Denn die derzeit noch niedrigen Marktpreise werden großzügig durch die SteuerzahlerInnen subventioniert. Neue Kernkraftwerke werden zudem durch ständig steigende Sicherheitsanforderungen immer teurer in Bau und Betrieb, und rentieren sich daher noch weniger als die bereits bestehenden.

Die Umstellung des globalen Energiesystems würde laut WWF-Energiereport in den nächsten 25 Jahren jährlich Investitionen von 1 bis 3,5 Billionen Euro erfordern. Diese hoch klingenden Summen machen aber nie mehr als ein bis zwei Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung aus. Im Vergleich dazu hat die Finanzkrise der letzten Jahre Verluste von mehr als acht Billionen Euro beschert. Aber die Energiewende wird sich unterm Strich auch finanziell lohnen. Nach 25 Jahren wird sich der Effekt umdrehen und durch die gesunkenen laufenden Kosten werden wir für Energie weniger Geld ausgeben müssen als heute. 2050 würde der jährliche Gewinn schon auf vier Billionen Euro gestiegen sein, die ersparten Folgekosten der dadurch nicht fortschreitenden globalen Erwärmung noch gar nicht mitgerechnet. Nicht zuletzt wird die Energiewende positive Effekte auf den Arbeitsmarkt haben. In Deutschland wurden bereits mehr als 300.000 Jobs durch erneuerbare Energie geschaffen. Atomkraft und die traditionsreiche Kohleindustrie beschäftigen hingegen zusammen nur noch 50.000 Menschen. Es ist eindeutig absehbar, dass jene Länder, die möglichst früh die Energiewende einleiten, durch ihren Innovationsvorsprung auch in Zukunft die meisten neuen Arbeitsplätze gewinnen werden.

Juli 2011

Autor: Thomas Mördinger
Der Autor ist Mitglied des Redaktionsteams der grünen Bildungswerkstatt.

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